Tierversuchszahlen in Deutschland 2015 - Stellungnahme des FLI

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Die Tierversuchszahlen in Deutschland sind im Vergleich zum Vorjahr weiter rückläufig, so vermeldete das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) am 1. Dezember 2016. Grund ist das verstärkte Engagement deutscher Forschungseinrichtungen, die 3R-Richtlinie umzusetzen.

Jena. Die jährliche Veröffentlichung der Tierversuchszahlen durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) am 2. Dezember 2016 zeigt, dass die Anstrengungen der deutschen Forschungseinrichtungen, Tierversuche zu reduzieren, erfolgreich sind. Wie das BMEL aktuell bekanntgab, betrug die Anzahl der genutzten Versuchstiere im Jahr 2015 nun 2.753.062 Tiere, im Jahr zuvor 3.313.898 Tiere. Ebenso fiel die Zahl der Versuche um 17 Prozent, 3.361.863 (2014) auf 2.799.961 (2015). In diese Zählung eingeschlossen sind Tiere, die in Tierversuchen verwendet wurden, ebenso wie Tiere, die für Alternativmethoden, also zum Beispiel zur Gewinnung von Zellen für Zellkulturen genutzt wurden. Der Anteil der Grundlagenforschung hat von 63 Prozent auf 59 Prozent aller Tierversuche abgenommen. Damit setzt sich der rückläufige Trend der vergangenen drei Jahre weiter fort.

Die Tierversuchszahlen sind auch für das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) ein ernstgenommenes Thema. Obwohl die Durchführung von Tierversuchen für die Erforschung der Ursachen alternsassoziierter Erkrankungen unverzichtbar ist, versuchen unsere Tierärzte und Forscher, die Zahl der zu Forschungszwecken verwendeten Mäuse und Fische ständig zu reduzieren. Sie folgen damit dem sogenannten „3 R-Prinzip“, mit dem sich wissenschaftliche Einrichtungen zu „Replace“ (Vermeiden), „Reduce“ (Verringern) und „Refine“ (Verbessern) verpflichten.

Die personelle und organisatorische Umstrukturierung der Tierhaltung am FLI hat diese Bemühungen deutlich gestärkt. Um die Tierhaltung für die Tiere bestmöglich zu gestalten, werden die Haltungsbedingungen optimiert („Refine“); so werden z.B. Käfige mit weniger Tieren besetzt als vorgesehen. Zudem werden sie so natürlich wie unter Laborbedingungen möglich ausgestaltet. Für Mäuse heißt das beispielsweise, dass Sie Naturmaterialien zur Polsterung ihrer Nester erhalten. Die Züchtung von Tieren anhand linienspezifischer Zuchtschemata soll verhindern, dass zu viele Tiere gezüchtet werden, und der verstärkte Einsatz von bioinformatischen Ansätzen soll vorhandene Daten aus Tierversuchen zweitverwerten („Reduce“). Durch den Ausbau der Systembiologie und weltweit zugängliche Daten können Vergleiche zwischen unterschiedlichen Spezies mittlerweile oft auf Basis mathematischer und statistischer Analysen durchgeführt werden („Replace“). Das FLI setzt im Bereich der computergestützten Versuche zur Alternsforschung einen neuen Schwerpunkt.

Das FLI betreibt Grundlagenforschung zum biologischen Prozess des Alterns und zur Entstehung alternsbedingter Erkrankungen wie Krebs oder Alzheimer. Dafür führt das Institut auch Tierversuche an Mäusen, Fischen und Würmern durch. Tierversuche erfolgen nur dann, wenn es unvermeidlich ist. Dies ist der Fall, wenn die Ergebnisse durch keine andere Methode – etwa Zellkulturen oder Computermodelle – gewonnen werden können. Derzeit (Stand: 31. Oktober 2016) leben am Fritz-Lipmann-Institut ca. 18.400 Mäuse und 15.250 Fische. Die meisten der im Mai gestoppten Tierversuchsreihen befinden sich derzeit in der behördlichen Wiedergenehmigung und werden voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres Stück für Stück fortgesetzt werden können.

 

 

Weiterführende Informationen

Das FLI unterstützt die Initiative „Tierversuche verstehen“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen Deutschland. Weiterführende Informationen zu Tierversuchszahlen, Hintergrundberichte und Interviews finden sich unter https://www.tierversuche-verstehen.de/.

Kontakt

Dr. Evelyn Kästner, Leiterin Kommunikation, Pressesprecherin            
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