Forschungsgruppe Englert

Molekulare Genetik:
Der Fahrplan des Alterns

Die Forschungsgruppe Molekulare Genetik um Christoph Englert beschäftigt sich damit, wie Gene die Entwicklung und das Altern steuern. 

Molekulare Basis der urogenitalen Entwicklung

Viele menschliche "Krankheitsgene" spielen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung bestimmter Organe. Ein Beispiel ist das Wilms-Tumorsuppressorgen Wt1, welches unabdingbar für die Entwicklung von Keimdrüsen und Nieren bei Menschen und Mäusen ist, in seiner mutierten Form jedoch im Kindesalter einen Nierenkrebs verursacht. Unser Ziel ist es, zu verstehen, wie Mutationen dieses Gens Fehlentwicklungen beim Menschen verursachen. Dazu untersuchen wir mit biochemischen und zellbiologischen Methoden sowie zwei verschiedenen Tiermodellen die molekularen Mechanismen, durch die das Wt1 Protein seine Funktion ausübt.

Signalwege, die das Altern und die Lebensspanne eines kurzlebigen Wirbeltiers regulieren

Die Identifizierung von Wirbeltier-Genen, die den Alterungsprozess kontrollieren, wird durch die relativ große Lebensspanne bislang verfügbarer Tiermodelle erschwert. Vor ein paar Jahren wurde eine Spezies einjähriger Fische mit einer außergewöhnlich kurzen Lebensspanne beschrieben. Der türkise Prachtgrundkärpfling (Nothobranchius furzeri) hat in Gefangenschaft eine maximale Lebenserwartung von nur drei Monaten. Mittlerweile können wir mittels der CRISPR/Cas9-Methode Gene in N. furzeri aus- und einschalten. Wir benutzen diese Technologie, um genetische Programme und biochemische Signalwege zu identifizieren und zu charakterisieren, die das Altern von Wirbeltieren regulieren.

Notho-Projekt

Ein Nothobranchius furzeri schwimmt im Wasser.

Regeneration von Organen

Die Regenerationsfähigkeit menschlicher Organe ist sehr unterschiedlich. Blut- und Hautzellen besitzen ein hohes regeneratives Potenzial, während z.B. Gehirn- oder Nierenzellen sich kaum regenerieren können. Im Gegensatz dazu besitzen fast alle Organe von Amphibien und Fischen ein sehr hohes Regenerationspotenzial. Als Tiermodell benutzen wir vor allem den Zebrafisch und analysieren die Regeneration der Schwanzflosse und der Nieren. Besonders interessiert uns dabei die Frage nach der Altersabhängigkeit der regenerativen Kapazität. Darüber hinaus wollen wir verstehen, warum das Regenerationspotenzial zwischen verschiedenen Tierarten stark unterschiedlich ist. Ziel ist letztlich die Verbesserung der Regenerationsfähigkeit z.B. der Niere des Menschen.

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Englert

Christoph Englert
Gruppenleiter
+49 3641 65-6042
christoph.englert@leibniz-fli.de

Ramona Taubert
Sekretariat
+49 3641 65-6336
ramona.taubert@leibniz-fli.de

Downloads


Selected Publications

  • Insights into Sex Chromosome Evolution and Aging from the Genome of a Short-Lived Fish.
    Reichwald* K, Petzold* A, Koch* P, Downie* BR, Hartmann* N, Pietsch S, Baumgart M, Chalopin D, Felder M, Bens M, Sahm A, Szafranski K, Taudien S, Groth M, Arisi I, Weise A, Bhatt SS, Sharma V, Kraus JM, Schmid F, Priebe S, Liehr T, Görlach M, Than ME, Hiller M, Kestler HA, Volff JN, Schartl M, Cellerino** A, Englert** C, Platzer** M
    Cell 2015, 163(6), 1527-38 * equal contribution, ** co-senior authors, featured in
  • Age-dependent decline in fin regenerative capacity in the short-lived fish Nothobranchius furzeri.
    Wendler* S, Hartmann* N, Hoppe B, Englert C
    Aging Cell 2015, 14(5), 857-66 * equal contribution
  • Integration of Cistromic and Transcriptomic Analyses Identifies Nphs2, Mafb, and Magi2 as Wilms' Tumor 1 Target Genes in Podocyte Differentiation and Maintenance.
    Dong L, Pietsch S, Tan Z, Perner B, Sierig R, Kruspe D, Groth M, Witzgall R, Gröne HJ, Platzer M, Englert C
    J Am Soc Nephrol 2015, 26(9), 2118-28
  • Mitochondrial DNA copy number and function decrease with age in the short-lived fish Nothobranchius furzeri.
    Hartmann N, Reichwald K, Wittig I, Dröse S, Schmeisser S, Lück C, Hahn C, Graf M, Gausmann U, Terzibasi E, Cellerino A, Ristow M, Brandt U, Platzer M, Englert C
    Aging Cell 2011, 10(5), 824-31
  • A highly conserved retinoic acid responsive element controls wt1a expression in the zebrafish pronephros.
    Bollig F, Perner B, Besenbeck B, Köthe S, Ebert C, Taudien S, Englert C
    Development 2009, 136(17), 2883-92