Wie stark leiden Tiere bei Tierversuchen?

Es gibt verschiedene Arten von Tierversuchen, bei denen die Tiere mehr oder weniger in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt werden. Während eine Blutabnahme nur geringe Schmerzen verursacht, kann eine Operation, bei der beispielsweise Nerven durchtrennt werden, um etwa die Auswirkungen von Muskelschwund zu untersuchen, schwerere und länger anhaltende Schmerzen oder Beeinträchtigungen verursachen.


Wer Tierversuche durchführen möchte, muss - neben der gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildung und Genehmigung - vor Beginn des Versuchs, währenddessen und danach bewerten und dokumentieren, wie die Belastung der Tiere einzuordnen ist. 

Mit Belastung ist das Ausmaß von Schmerzen, Leiden, Ängsten oder dauerhaften Schäden gemeint, die das Tier während des Eingriffs voraussichtlich empfindet – unter Berücksichtigung der Maßnahmen, mit denen dies minimiert werden kann.

Übersicht, welchen Belastungen Versuchstiere in 2024 ausgesetzt waren (Quelle: Tierversuche verstehen)

 

Die Richtlinie der Europäischen Union "Zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere" 2010/63/EU (LINK) unterscheidet vier Belastungskategorien:

  • Gering: Tierversuche, bei denen Tieren kurzzeitige und geringe Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden, etwa durch eine einmalige Blutentnahme oder Injektion. Dies sind Eingriffe, wie sie auch in einer Tierarztpraxis Routine sind.
  • Mittel: Tierversuche, in denen bei Tieren kurzzeitig mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Schäden oder langanhaltende, geringe Schmerzen verursacht werden, beispielsweise bei operativen Eingriffen unter Vollnarkose und anschließender medikamentöser Schmerzbehandlung.
  • Schwer: Tierversuche, bei denen bei den Tieren starke Schmerzen, schwere Leiden oder Schäden oder langanhaltende mittelstarke Schmerzen, mittelschwere Leiden oder Schäden verursacht werden, die mit dem Tod der Tiere einhergehen können.
  • Keine Wiederherstellung der Lebensfunktion: Tierversuche, bei denen Tiere ohne „Vorbehandlung“, das heißt ohne zuvor Eingriffe vorgenommen zu haben, für wissenschaftliche Zwecke getötet werden, beispielsweise um einzelne Organe zu entnehmen; oder Versuche, bei denen Tiere in Vollnarkose versetzt werden (um kleinere Operationen vorzunehmen), aus der sie nicht mehr erwachen. Das heißt, sie werden unter Vollnarkose getötet.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (LINK) erhebt regelmäßig, wie viele Versuchstiere welchem Grad der Belastung ausgesetzt sind.