Diätrestriktion und Alter
Die kalorienreduzierte Ernährung (Dietary restriction, DR) ist nach wie vor die wirksamste bekannte Maßnahme, um den Alternsprozess über verschiedene phylogenetisch weit voneinander entfernte Spezies hinweg zu verzögern, doch ist die Wirksamkeit dieser Maßnahme nicht über die gesamte Lebensspanne hinweg gleichbleibend. Neue Erkenntnisse aus unserem Labor deuten darauf hin, dass die Fähigkeit der DR, die Stammzellfunktion zu verjüngen, deutlich abnimmt, wenn die Maßnahme erst im späten Lebensalter begonnen wird. Dieser Rückgang lässt vermuten, dass das alternde Gewebe molekulare Einschränkungen – genetischer, epigenetischer oder metabolischer Art – aufweist, die die kanonische DR-Reaktion abschwächen.
Wir haben daher eine neue Forschungslinie ins Leben gerufen, um die Mechanismen zu untersuchen, die die Reaktionsfähigkeit auf DR im hohen Alter einschränken. Unser Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die das DR-Programm in gealterten Organismen wiederherstellen oder verstärken können: genetische Regulatoren, deren Modulation jugendliche Transkriptionsprofile wiederherstellt, epigenetische Markierungen, deren Umgestaltung geschlossene Chromatin-Domänen wieder öffnet, und Nahrungsbestandteile oder metabolische Signale, die die Aufnahme von Nährstoffen auch im fortgeschrittenen Alter verstärken.
Durch die Definition dieser Determinanten wollen wir einen kohärenten Rahmen für die Verbesserung der Wirkung von DR im hohen Alter schaffen. Letztendlich soll dieses Wissen die Grundlage für DR-basierte Interventionen bilden, die in der Lage sind, die physiologische Erhaltung zu verbessern und die Gesundheitsspanne älterer Menschen zu verlängern – mit Vorteilen, die über die derzeit etablierten Lebensgewohnheiten und routinemäßigen medizinischen Untersuchungen hinausgehen.